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Trinkwasser - die unterschätzte Erfolgskomponente in der Schweineproduktion

von Dipl.-Ing. agr. Martin von Taschitzki

Forschungsergebnisse der letzten Jahre belegen eindeutig den starken Einfluß der Trinkwasserversorgung auf den Masterfolg. So wurde beispielsweise nachgewiesen, daß allein durch die Wahl der Tränke die tägliche Zunahme bei Ferkeln um bis zu 30% gesteigert werden kann und die Futterverwertung sogar um 100% zu verbessern ist (Tab. 1). Aber nicht nur der direkte Masterfolg wird beeinflußt. Es gibt deutliche Hinweise darauf, daß durch die richtige Wasserversorgung Krankheiten verhindert und die Kosten für Güllelagerung und -ausbringung drastisch reduziert werden können.

Tabelle 1
ENTWICKLUNG FRÜH ABGESEZTER FERKEL

Mono-Flo Arato
Wasserverbrauch 1,59 l/Tag 1,09 l//Tag
tägl. Zunahme 0,199 kg 0,260 kg
Futterverwertung 2,93 1,44

Carpenter u. Brooks. C.I.G.R.- 11. int. Congress on Agricultural Engineering, Dublin1989

Trinkwasser löscht nicht nur den Durst ! Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel für alle Lebewesen. Entsprechend groß ist auch sein direkter Einfluß auf ihre Leistungsfähigkeit. Diese simple Tatsache wird häufig vernachlässigt. Bei Schweinen wird über die Wasseraufnahme die gesamte Verdauung und damit auch ihre Futterverwertung und tägliche Zunahme beeinflußt. Wie groß dieser Einfluß tatsächlich ist, zeigen die Forschungsergebnisse von J. Barber (Tabelle 2): Bei Hitze und Streß wird die Körpertemperatur durch vermehrte Wasseraufnahme gesenkt. Dadurch kann sich der übliche Trinkwasserbedarf schnell verdoppeln.

Tabelle 2
WASSERDURCHFLUß UND TÄGLICHE ZUNAHME BEI FERKELN

Durchflußrate in l/Min. 0,175 0,5 0,45 0,7
tägl. Wasserverbrauch (l/pro Tier) 0,78 1,04 1,32 1,63
tägl. Zunahme (g/Tier) 210 235 250 247
Futterverwertung 1,48 1,39 1,37 1,42

Eine zu geringe Wasserversorgung wirkt sich nicht nur in schlechten Mastleistungen aus, sie führt auch zu Erkrankungen. Britische Veterinärmediziner gehen davon aus, daß in Großbritannien 1/3 der Zuchttiere aufgrund von Wassermangel verfrüht aus der Produktion scheiden. Chronische urologische Erkrankungen sind die Hauptsymptome. Die ausreichende Versorgung mit frischem Trinkwasser wäre die simple Prophylaxe gewesen, d.h., die Tiere hätten jederzeit die Möglichkeit haben müssen, beliebig viel Wasser aufzunehmen. Der betriebliche Erfolg kann aber auch in ganz anderer Form nachhaltig durch Wasser beeinflußt werden, ist nämlich die Form und Funktion der Tränke nicht optimal auf die Tiere zugeschnitten, treten erhöhte Wasserverluste auf, wodurch die Transport- und Lagerungskosten für Gülle dramatisch erhöht werden. Schultz und Hopp errechnen auf Basis der in Tabelle 3 veröffentlichten Ergebnisse Transportkosten in Höhe von 0,90 DM bzw. 2,44 DM pro m3 und km Wegstrecke, je nachdem, ob die Tränke mit dem geringsten oder dem höchsten Gülleanfall verwendet wird.

Was kennzeichnet eine tiergerechte Tränke?

  • Die Tiere erhalten frisches, sauberes Wasser.
  • Die Wasseraufnahme ist jederzeit möglich und wird zeitlich und mengenmäßlig nicht begrenzt.
  • Die Tränke besitzt eine präzise Regulierung,um den Wasserdurchfluß auf den jeweiligen Wasserdruck einzustellen. (Dabei sollte die kleinste Düse eine Bohnung von 0,6 mm aufweisen, um auch für Wasserdrücke oberhalb von 6 bar geeignet zu sein).

Wie unterscheiden sich die einzelnen Tränketypen?

NIPPELTRÄNKEN
Diese Billigtränken sind die wohl derzeit aum häufigsten eingesetzten Tränken im Schweinestall. Sie sind gekennzeichnet durch einen mittig angebrachten Stößel, der bei seiner horizontalen oder vertikalen Auslenkung das Wasser freigibt. Schultz u. Hopp, die in einem Versuch an der Lehr- und Versuchsanstalt Futterkamp die Verlustwassermengen der verschiedenen Tränken untersucht haben, kommen zu folgendem Urteil: „Zu hoch ist der Wasserausstoß bei den herkömmlichen Beißnippeln mit 2,34 l/min“. Der Gülle- und Verlustwasseranfall liegt mit 113 % bzw. 148 % überdurchschnittlich hoch (Tabelle 3)

Tabelle 3
VERLUSTWASSER AUS TRÄNKEN

System Tränketyp Güllemenge/Durchgang (cmb) Güllemenge/Durchgang (%)
Arato 80 Zapfen 0,59 63
Biscoe Impulsnippel 1,05 113
Monoflo Nippel 1,38 148
Neher Nippel 1,05 113
Suevia Becken 1,37 147

TRÄNKEBECKEN
Carpenter und Brooks haben herausgefunden, daß Schweine ein Tränkebecken bevorzugen, wenn sie zwischen einer Nippeltränke oder einem Tränkebecken wählen können. Befinden sich sich jedoch Futterreste oder andere Verunreinigungen in der Trinkschlale, wechseln Schweine zur Nippeltränke, um dort sauberes Wasser zu trinken. Steht ihnen keine Tränke zur Verfügung, auf die sie ausweichen können, schränken sie freiwillig die Wasseraufnahme ein (Tabelle 4).

Tabelle 4
WASSERAUFNAHME AUS TRÄNKEBECKEN

verunreinigte Tränke saubere Tränke
tägl. Wasserverbrauch 0,9 l/tTier 6,8 l/Tier

Das Vorurteil, daß Schweine bei der Futter- und Wasseraufnahme nicht auf Sauberkeit achten, wurde somit wissenschaftlich widerlegt. Schultz und Hopp kommen zu dem Schluß, daß „bei den Tränkebecken mit 3,14 l/min. ... der momentane Wasseranfall deutlich überdimensioniert“ ist und daher „deutliche erhöhte Wasserverluste“ auftraten, die „mit annähernd 150 % Gülleanfall“ zu Buche schlugen.

ZAPFENTRÄNKEN
Zapentränken sind gekennzeichnet durch einen langen Zapfen, der den Tieren weit ins Maul hineinreicht. Zapfentränken spenden einen gericheten Wasserstrahl, der in der Mitte des Tiermauls beginnt und direkt in den Rachen der Tiere sprüht. Hierdurch ist das trinkende Tier gezwungen, das Wasser sofort abzuschlucken. Dieser Tränentyp verhindert wirkungsvoll, daß das Trinkwasser seitlich am Schweinemaul herausläuft. Ein weiterer Vorteil der Zapfentränken besteht in der Möglichkeit, die Wasserdurchflußmenge exakt regulieren zu können. Schultz und Hopp attestieren diesen Tränken „die geringsten Wasserverluste und damit die niedrigsten Güllemengen pro Durchgang mit relativ etwa 60%“. Diese Eigenschaften machen die Zapfentränker zur idealen Tränke für große Bestände, bei denen die Lagerung und Ausbringung der Gülle besonders problematisch ist. Was ist bei der Montage der Tränken zu beachten? Die beste Tränke bringt keinen Nutzen, solange sie falsch montiert ist. Die Anbringung ist daher entscheidend für die einwandfreie Wasseraufnahme der Tiere. Nachfolgend wird deshalb die korrekte Anbringung von Nippel- und Zapfentränken beschrieben. Da das Tränkebecken aus den o.g. Gründen für die Gruppenhaltung ungeeignet erscheint, wird auf dessen Anbringung nicht näher eingegangen.

Platzierung in der Ecke
Der beste Platz für die Tränke ist in der Buchtenecke über oder neben dem Trog. So ist das trinkende Tier bestens gegen Drängeleien geschützt.

Anbringung handbreit über dem Widerrist
Die Montagehöhe ist abhängig von der Tiergröße. Optimal ist die Anbringung mittels eines Höhenverstellers. Die Tränke kann somit auf die jeweilige Tiergröße eingestellt werden.Als Faustregel gilt: Der Tränkzapfen sollte handbreit (ca. 7 - 10 cm) über dem Widerrist stehen. So wird eine Verletzungsgefahr beim Raufen und Flüchten ausgeschlossen, und die Tiere müssen zum Trinken den Kopf strecken, wodurch sie nicht quer auf die Tränke beißen können.

Neigungswinkel 15°
Über den Neigungswinkel der Tränke wird zusätzlich sichergestellt, daß die Tiere bequem und artgerecht trinken können und möglichst kein Wasser seitlich aus dem Maul herausläuft. Für Schweine beträgt der günstigste Neigungswinkel 15°.

Stets frisches sauberes Wasser zur Verfügung stellen
Wie Carpenter und Brooks belegen, schränken Schweine die Wasseraufnahme sofort ein, sobald das Trinkwasser verunreinigt ist (Tabelle 4). Es sollte daher stets darauf geachtet werden, daß den Tieren immer frisches und sauberes Wasser zur Verfügung steht.

Angemessene Wasserdurchlaufrate
Untersuchungen von J. Barber zeigen, daß für früh abgesetzte Ferkel eine Durchflußrate von 0,5 l/min optimal erscheint. Besonders interessant ist die deutliche Auswirkung der Durchflußrate auf den Zuwachs der Tiere (Tabelle 2). Es scheint, als ob über die richtige Wahl der Tränke und die Wasserdosierung auch in gesunden Beständen noch erhebliche Leistungsreserven mobilisert werden können. Für Mastschweine liegt die Durchflußrate zwischen 0,7 und 1,0l/Min. und für Zuchttiere bei 2 l/Min. (Tabelle 2). Generell sollten alle Tränken regelmäßig überprüft werden, denn je nach Dosiermechanismus und Wasserqualität kann sich die Wasserabgabe verändern. Zu beachten ist auch, daß eine Tränke für maximal 10 Tiere zur Verfügung stehen darf.



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